Kurze, praxisnahe Erläuterungen der wichtigsten Begriffe der relationalen TA – als gemeinsame Sprache, um Beziehungsphänomene präzise denken, besprechen und in der Praxis anwenden zu können.
Die ebenbürtige Begegnung von Menschen in Beziehungen. Augenhöhe bedeutet, den anderen als gleichwertiges Gegenüber anzuerkennen und sich wechselseitig in seiner Einzigartigkeit zu respektieren. In der Praxis zeigt sich Augenhöhe z.B. darin, dass Führungskräfte und Mitarbeitende offen miteinander sprechen, Unterschiede benennen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Augenhöhe schließt Autorität nicht aus, sondern ermöglicht eine Form von Autorität, in die bewusst eingewilligt wird (vgl. Korpiun 2022).
In der relationalen TA wird Autorität als das Hervorbringen eines Weltverhältnisses verstanden – also die situative Fokussierung von Aufmerksamkeit auf etwas, das relevant ist. Autorität ist nicht an eine formale Rolle gebunden: Jedes Gruppenmitglied kann in diesem Sinne Autorität übernehmen. Entscheidend ist, ob Autorität auf Augenhöhe ausgeübt wird (→ Einwilligung) oder ohne Augenhöhe (→ Zwang). In der Praxis hilft dieses Verständnis Führungskräften, Autorität nicht als Kontrolle, sondern als Beitrag zur gemeinsamen Orientierung zu gestalten (vgl. Korpiun 2022).
In der relationalen TA der Moment, in dem sich Menschen wechselseitig als Subjekte wahrnehmen und aufeinander einlassen. Begegnung ist mehr als Kommunikation: Sie ist ein leiblich spürbares Geschehen im relationalen Feld, das konsonant (z.B. wertschätzend, neugierig) oder dissonant (z.B. konfrontativ, streitend) sein kann – beides auf Augenhöhe. Praktisch bedeutet das: Auch ein Konflikt kann eine echte Begegnung sein, wenn er auf Augenhöhe stattfindet (vgl. Korpiun 2022).
Das intuitive, ganzheitliche Erfassen des anderen und der Beziehungssituation. Beziehungsatmosphäre ist das, was wir spüren, wenn wir einen Raum betreten oder einem Menschen begegnen – noch bevor wir bewusst analysieren. Sie gibt wichtige Hinweise auf den Charakter konkreten Beziehungsgeschehens und ist oft präziser als kognitive Einschätzungen (vgl. Sell 2009, 2018).
Verdichtete, verkörperte Vorstellungen, die ein Mensch von sich und anderen in Beziehungen hat. Sie umfassen Erfahrungen, Überzeugungen, Haltungen, Emotionen, Körperwahrnehmungen und Verhaltensmuster. Die relationale TA unterscheidet biografisch beeinflusste primäre Beziehungsbilder (entstanden in frühen Beziehungserfahrungen) und situativ entwickelte Beziehungsbilder (im aktuellen Kontakt entstehend). Innere Beziehungsbilder beeinflussen maßgeblich, wie wir Beziehungen gestalten – oft unterhalb der Schwelle unseres Gewahrseins. In der Praxis hilft die Arbeit mit Beziehungsbildern, eigene Muster zu erkennen und Beziehungen bewusster zu regulieren (vgl. Korpiun 2024).
Entwicklungspsychologisches Modell grundlegender Beziehungskompetenzen des Menschen. Es beschreibt, wie Menschen in Beziehung zueinander stehen – die „Grammatik“ von Beziehungen. Sell unterscheidet Formen wie Ich-du-Beziehung (ebenbürtige Begegnung), Ich-es-du-Beziehung (gemeinsame Ausrichtung auf ein Drittes), Ich-oder-du-Beziehung (Wettbewerb und Abgrenzung), Abhängigkeit und Nicht-Beziehung. In der Praxis helfen Beziehungsformen, die Dynamik in Teams zu verstehen und gezielt zu gestalten (vgl. Sell 2009).
Die Fähigkeit, Beziehungen situationsangemessen und auf Augenhöhe zu gestalten. In der relationalen TA umfasst Beziehungskompetenz die Fähigkeiten, sich auf andere einzulassen, sich abzugrenzen, Konflikte konstruktiv auszutragen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Beziehungskompetenz ist keine fixe Eigenschaft, sondern entwickelt sich lebenslang in Beziehungen weiter. In Organisationen ist sie messbar und gilt als zentrale Einflussgröße auf Kultur und Zusammenarbeit (vgl. Hupperich & Jenke 2019; Thiele & Korpiun 2016).
Die in jeder Beziehung wirksame Kraft wechselseitiger Beeinflussung. Menschen beeinflussen sich immer – positiv oder negativ. Beziehungsmacht ist daher unvermeidbar. In der relationalen TA geht es darum, Beziehungsmacht bewusst und konstruktiv einzusetzen, statt sie zu leugnen oder verdeckt auszuüben. Negative Machtdynamiken entstehen, wenn Augenhöhe verloren geht und Einflussnahme einseitig oder verdeckt erfolgt (vgl. Korpiun & Thiele 2017; Korpiun 2022 ZOE-Interview).
Der Raum innerhalb einer Beziehung, in dem sich Selbst und Anderer differenzieren und positionieren. Der Beziehungsraum ist die Basis für Autonomie und Kontakt gleichzeitig. Praktisch gesprochen: Ein guter Beziehungsraum entsteht, wenn beide Seiten sich zeigen können und sich gehalten fühlen. In Coaching, Beratung und Führung ist die bewusste Gestaltung des Beziehungsraums eine zentrale Aufgabe (vgl. Sell 2009).
Relationale Erweiterung des klassischen Ich-Zustands-Modells. Statt Ich-Zustände als individuelle psychische Zustände zu betrachten, versteht die relationale TA sie als Ausdruck von Beziehungszuständen – also als Qualitäten des Miteinander-in-Beziehung-Seins. Ein Eltern-Ich-Zustand beispielsweise ist nicht nur ein individueller Zustand, sondern drückt eine bestimmte Beziehungsqualität zum Gegenüber aus (vgl. Sell 1996, 2009).
Der Kerngedanke der relationalen TA: Der Mensch ist wesenhaft ein Bezogener. Er entwickelt sich nicht isoliert, sondern aus Beziehungen heraus. Auch die Reflexion über sich selbst ist bereits eine Beziehungserfahrung. Die menschliche basale Grundeinheit ist die Beziehung (Relation), nicht das Individuum (vgl. Sell 2018; Korpiun & Korpiun 2022).
Der explizite oder implizite Abgleich innerer Bilder zwischen Beziehungspartnern. Menschen tragen unterschiedliche Vorstellungen darüber in sich, wie sie zueinander in Beziehung stehen. Wenn diese Bilder nicht abgeglichen werden, entstehen Missverständnisse und Konflikte. In der Praxis ist der Bildabgleich ein konkretes Werkzeug: Teams oder Führungskräfte tauschen sich darüber aus, welche inneren Bilder sie voneinander haben – oft mit überraschenden Ergebnissen (vgl. Korpiun 2020).
Die Fähigkeit, schwierige Gefühle, Spannungen oder Unsicherheiten auszuhalten und einen sicheren Raum dafür bereitzustellen. In der Beratung bedeutet das: Der Berater oder die Führungskraft hält aus, was der andere noch nicht verarbeiten kann, und gibt es in „verdaulicher“ Form zurück. In Organisationen ist Containment eine zentrale Führungsaufgabe, etwa im Umgang mit Veränderungsprozessen (vgl. Korpiun 2023, Containment in Führung, Beratung und im Coaching).
Ebenbürtigkeit bezeichnet die Gleichheit aller Menschen als anthropologische Festlegung: kein Mensch steht über einem anderen. Semantisch verweist der Begriff auf eine „Ebene“, in der sich nichts über anderes erhebt, und gründet in moralischen Prinzipien, die aus kulturellen oder religiösen Vorstellungen abgeleitet sind. Als kulturelle Errungenschaft fördert Ebenbürtigkeit zugleich die Entwicklung von Einzigartigkeit – Gleichheit meint, dass jeder das Recht und die Möglichkeit hat, sich zu unterscheiden – und ermöglicht Begegnung als Gleiche, mithin auf Augenhöhe (vgl. Korpiun 2022; Safranski 2021).
Zwei gleichzeitig wirksame Pole in Beziehungen. Einzigartigkeit beschreibt das Bedürfnis, als Individuum wahrgenommen und anerkannt zu werden. Verbundenheit beschreibt das Bedürfnis, Teil eines Ganzen zu sein. In Teams und Organisationen entfaltet sich die größte Kraft, wenn beides gleichzeitig möglich ist. Wird nur Einzigartigkeit betont, entsteht Vereinzelung; wird nur Verbundenheit betont, entsteht Gleichmacherei. Kohäsion und Identifikation entstehen, wenn beides zusammenwirkt (vgl. Korpiun 2022, 2023).
Das Entstehen von etwas qualitativ Neuem, das nicht aus den einzelnen Teilen vorhersagbar oder ableitbar ist. In der relationalen TA ist Emergenz ein zentrales Prinzip: In echten Begegnungen kann Neues entstehen, das keiner der Beteiligten allein hätte hervorbringen können. Praktisch erleben wir das z.B., wenn ein Team im gemeinsamen Gespräch zu einer Idee kommt, die vorher niemand hatte.
Führung wird in der relationalen TA als Gruppenprozess verstanden, der kokreativ zwischen allen Beteiligten entsteht und nicht als Eigenschaft einzelner Führungspersonen. Sie beschreibt, wie in Gruppen, Teams und Organisationen Aufmerksamkeit, Bedeutung, Entscheidungen und Ressourcen so fokussiert werden, dass Kohäsion und gemeinsame Zielverfolgung möglich werden. In diesem Sinne ist Führung die dynamische Ausbalancierung repräsentativer, ausführender und transformativer Führungsfunktionen (Führungs-Triade bzw. engl. Leadership Triad), durch die sich Teams und Organisationen orientieren, handlungsfähig werden und sich weiterentwickeln.
Relationales Modell von Führung als Gruppenprozess auf Basis einer archetypischen Interpretation der Führungsfunktionen nach Eric Berne. Es unterscheidet drei Funktionen: repräsentative Führung (Orientierung geben, Werte vertreten), exekutive Führung (Handlungsfähigkeit sicherstellen, Entscheidungen umsetzen) und transformative Führung (Erneuerung und Entwicklung ermöglichen). Alle drei Funktionen müssen im dynamischen Gleichgewicht sein. Fehlt eine, entsteht
Die zusammenhaltende Kraft in Gruppen, Teams und Organisationen. In der relationalen OE ist die sinnorientierte Schaffung von Kohäsion das zentrale Ziel von Organisationsentwicklung. Kohäsion entsteht nicht durch Strukturen oder Regeln allein, sondern durch abgeglichene kollektive Beziehungsbilder, gemeinsame Ausrichtung und gelebte Verbundenheit. In der Praxis zeigt sich Kohäsion darin, dass Menschen für ein gemeinsames Anliegen eintreten und sich als Teil eines Ganzen erleben (vgl. Korpiun 2020, 2025).
Das gemeinsame Hervorbringen von Neuem in Beziehungen. In der relationalen TA ist Kokreativität ein Grundprinzip: Beziehungen, Ideen und Lösungen werden nicht von einer Seite allein geschaffen, sondern entstehen im Zusammenspiel. In der Praxis zeigt sich Kokreativität z.B. in Beratungsprozessen, wenn Berater und Klient gemeinsam eine Lösung entwickeln, die vorher so nicht denkbar war (vgl. Summers & Tudor 2000; Korpiun 2020).
Konsonante Begegnungen sind harmonisch, übereinstimmend, z.B. Wertschätzung, Neugier, gemeinsames Suchen. Dissonante Begegnungen sind spannungsreich, z.B. Konfrontation, Streit, Wettbewerb. Entscheidend ist: Beides kann auf Augenhöhe stattfinden. Auch Konflikte sind auf Augenhöhe möglich und sogar notwendig. Problematisch wird es erst, wenn Augenhöhe verloren geht – dann wird aus Dissonanz Abwertung oder Manipulation (vgl. Korpiun 2022).
Konsonante Begegnungen sind harmonisch, übereinstimmend, z.B. Wertschätzung, Neugier, gemeinsames Suchen. Dissonante Begegnungen sind spannungsreich, z.B. Konfrontation, Streit, Wettbewerb. Entscheidend ist: Beides kann auf Augenhöhe stattfinden. Auch Konflikte sind auf Augenhöhe möglich und sogar notwendig. Problematisch wird es erst, wenn Augenhöhe verloren geht – dann wird aus Dissonanz Abwertung oder Manipulation (vgl. Korpiun 2022).
Der gelebte Körper als Medium des In-der-Welt-Seins und der Beziehungsgestaltung. In der relationalen TA ist der Leib nicht nur „Behälter“ für psychische Prozesse, sondern selbst Träger von Beziehungserfahrungen. Innere Beziehungsbilder sind verkörpert: als neuronale Bahnungen, hormonelle Muster, Mimik, Gestik und körperliche Reaktionen. Praktisch bedeutet das: Körperliche Empfindungen (z.B. Verspannung, Kribbeln, Druck) sind wichtige Hinweise auf Beziehungsdynamiken (vgl. Korpiun 2024; Fuchs 2021; Merleau-Ponty 2012).
Der gemeinsam erlebte Raum im Prozess der Entwicklung von Gruppen, Teams oder Organisationen. Das Modell beschreibt verschiedene Qualitäten dieses Raums und bietet Ansatzpunkte, um OE-Prozesse zu fördern und ihre Erfolgswahrscheinlichkeit zu verbessern. In der Praxis hilft das Modell, den „Reifegrad“ eines Entwicklungsprozesses einzuschätzen und zu entscheiden, welche Interventionen sinnvoll sind (vgl. Korpiun 2025).
Philosophische Tradition, die fragt: „Wie zeigt sich etwas?“ – statt: „Was bedeutet es?“. Die Phänomenologie (Heidegger, Merleau-Ponty) ist eine zentrale Grundlage der deutschsprachigen relationalen TA. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf das unmittelbare Erleben in Beziehungen: Was nehme ich wahr? Was spüre ich? Was zeigt sich im Zwischen? Praktisch führt das zu einer Haltung achtsamer Wahrnehmung statt schneller Interpretation.
Das Verständnis, dass Identität kein fester Kern ist, sondern sich lebenslang in Beziehungen entwickelt und verändert. Was uns als Menschen einzigartig macht, entsteht aus der Verschränkung unserer Beziehungserfahrungen. Relationale Identität verbindet Einzigartigkeit und Verbundenheit: Wir sind einzigartig, gerade weil wir auf unverwechselbare Weise bezogen sind (vgl. Korpiun & Korpiun 2022; Korpiun & Thiele 2018).
Ansatz der Organisationsentwicklung, der den Fokus auf die Entwicklung von Beziehungen statt auf die Veränderung von Strukturen legt. Zentral ist die Arbeit an kollektiven Beziehungsbildern, die Fokussierung auf das „WIR“, die Schaffung von Kohäsion und die Ausrichtung auf gemeinsamen Sinn. In der Praxis bedeutet das z.B., Führungsteams dabei zu begleiten, ihre inneren Bilder voneinander abzugleichen und gemeinsame Orientierung zu entwickeln (vgl. Korpiun 2020).
Ansatz zur Entwicklung von Gruppen und Teams aus relationaler Perspektive. Er beschreibt vier Perspektiven: das Individuum in der Gruppe, die Gruppe als Ganzes, die Entwicklung von Kohäsion und die Arbeit am organisationalen Entwicklungsraum. Praktisch hilft das Modell, Teamentwicklung nicht als „Maßnahme“, sondern als fortlaufenden Beziehungsprozess zu verstehen (vgl. Korpiun 2026; Korpiun 2023).
Weiterentwicklung der klassischen Transaktionsanalyse, die den Menschen als wesenhaft bezogen versteht. Die relationale TA verbindet die relationalen Wurzeln im Denken von Eric Berne mit neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen aus Phänomenologie, Neurobiologie, Entwicklungspsychologie und weiteren Disziplinen. Im angloamerikanischen Raum ist sie eher psychoanalytisch geprägt, im deutschsprachigen Raum eher phänomenologisch und wahrnehmungstheoretisch (vgl. Hargaden & Sills 2002; Sell 2018; Korpiun 2020).
Grundlegende Verschiebung in Natur- und Geisteswissenschaften: vom Sein zum Werden, vom Objekt zur Relation, vom Einzelnen zur Beziehung. In der Quantenphysik zeigt sich das im Verschränkungsprinzip, in der Neurobiologie in der Entdeckung von Spiegelneuronen, in der Phänomenologie im Konzept des In-der-Welt-Seins. Die relationale TA ist Teil dieser umfassenden Entwicklung.
Emergenter kollektiver Bewusstseinszustand als Begegnungsraum von Menschen, der somatisch und energetisch erfahrbar ist. Das relationale Feld entsteht, wenn Menschen sich begegnen, und umfasst sowohl den inneren Beziehungsprozess (die eigene Resonanz) als auch den äußeren Beziehungsprozess (die Interaktion). In der Praxis erleben wir das relationale Feld z.B. als die „Atmosphäre“ in einem Raum oder die spürbare Verbindung in einem guten Gespräch (vgl. Sell 2018, 2026; Korpiun 2024).
Prozess der dynamischen Entwicklung und Konstitution des Menschen aus seinen Beziehungsbezügen heraus. Das Selbst ist kein fertiges „Ding“, sondern ein lebenslanger Prozess sozialer Resonanz. Es entsteht und verändert sich in Beziehungen – von den frühesten Begegnungen des Säuglings mit seinen Bezugspersonen bis ins hohe Alter. Die Theorie des relationalen Selbst integriert Erkenntnisse der Säuglingsforschung (Daniel Stern) und der Neurobiologie (vgl. Sell 2018, 2026; Korpiun & Korpiun 2022).
Der permanente Fluss von Energie zwischen „Ich“ und „Du“ in Beziehungen, der verkörpert ist und sich in unterschiedlichen Formen von Vitalität ausdrückt. Beispielsweise spüren wir ihn, wenn Vorfreude aufsteigt oder wenn wir im Gespräch den Austausch eigener Gedanken wahrnehmen. Veränderungen innerer Beziehungsbilder korrespondieren stets mit Veränderungen dieses energetischen Flusses (vgl. Korpiun 2024; Korpiun & Korpiun 2022).
Die wechselseitige Schwingung zwischen Menschen in Beziehungen. In der relationalen TA ist Resonanz der grundlegende Modus, in dem Menschen sich aufeinander beziehen: leiblich, emotional und kognitiv. Resonanz ist keine bewusste Entscheidung, sondern geschieht oft vorbewusst – z.B. wenn wir die Anspannung eines Gegenübers spüren, noch bevor ein Wort gesprochen wird. Der Soziologe Hartmut Rosa beschreibt Resonanz als eine „Weltbeziehung“, die das Gegenteil von Entfremdung darstellt (vgl. Rosa 2016; Bauer 2019).
In der relationalen OE das zentrale Orientierungsprinzip: Organisationen entwickeln sich nicht primär über Strukturen und Ziele, sondern über gemeinsamen Sinn. Sinn entsteht relational – im Abgleich kollektiver Beziehungsbilder und in der Frage, wofür es sich lohnt, gemeinsam etwas zu tun. In der Praxis bedeutet das, die Frage nach dem „Wozu“ vor die Frage nach dem „Wie“ zu stellen (vgl. Korpiun 2020).
Nervenzellen, die sowohl bei eigener Handlung als auch beim Beobachten derselben Handlung bei anderen aktiv werden. Ihre Entdeckung (Rizzolatti et al. 1996) gilt als neurobiologischer Beleg dafür, dass das menschliche Gehirn von Grund auf sozial und relational strukturiert ist. Spiegelneuronen sind ein Beispiel für die Verkörperung von Beziehungen: Wir sind leiblich mit anderen verbunden (vgl. Bauer 2013; Rizzolatti et al. 2001).
Das unbewusste Übertragen früherer Beziehungserfahrungen auf aktuelle Beziehungen. In der angloamerikanischen relationalen TA (Hargaden & Sills 2002) wird Übertragung differenziert in fünf Domänen: proaktiv, reaktiv, repetitiv, regressiv und reparativ. In der Praxis ist das Erkennen von Übertragungsmustern hilfreich, um zu verstehen, warum bestimmte Beziehungssituationen emotional aufgeladen sind.
Von Helena Hargaden entwickeltes Modell zur Differenzierung von fünf Ebenen der Übertragung in der therapeutischen Beziehung: proaktiv (auf den Therapeuten projizierte Erwartungen), reaktiv (emotionale Reaktionen auf den Therapeuten), repetitiv (Wiederholung alter Muster), regressiv (Rückfall in frühe Beziehungszustände) und reparativ (heilende neue Beziehungserfahrung). Das Modell bietet ein differenziertes Verständnis der Beziehungsdynamik in Beratung und Therapie (vgl. Hargaden & Sills 2002).
Unverfügbarkeit beschreibt in der relationalen TA, dass gelingende Beziehungen sich nie einseitig herstellen oder garantieren lassen, sondern immer vom gemeinsamen Einlassen der Beteiligten abhängen. Selbst mit „richtigen“ Methoden, guter Kommunikation oder sorgfältiger Beziehungsgestaltung bleibt offen, ob eine Beziehung tatsächlich gelingt; sie entzieht sich damit dem Anspruch der Machbarkeit und Kontrolle. Unverfügbarkeit meint jedoch keine Passivität: Eine dialogische, beziehungsorientierte Haltung kann die Wahrscheinlichkeit gelingender Beziehungen erhöhen – ohne sie verfügbar zu machen (vgl. Korpiun 2023a; 2025; in Anlehnung an Rosa 2018).
Wagnis der Begegnung bezeichnet die Bereitschaft, sich trotz der Unverfügbarkeit gelingender Beziehungen immer wieder neu auf andere Menschen einzulassen. Es meint, sich mit dem eigenen SoSein zu zeigen, sich berühren zu lassen und dem Fremden im Anderen zu begegnen – im Wissen darum, dass Ausgang und Qualität der Beziehung nicht kontrollierbar oder einseitig herstellbar sind. Dieses Wagnis verbindet die Offenheit für Verbundenheit mit der Fähigkeit, Unterschiedlichkeit, Ambivalenz und mögliche Zurückweisung auszuhalten (vgl. Korpiun 2023a; in Anlehnung an LiechtiGenge 2018).
→ siehe Leiblichkeit